Gymnasium
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Schulpartnerschaft mit Semema

Aus der positiven Resonanz in der Schule ergab sich der nächste Schritt: die Frage, ob es nicht eine Möglichkeit gäbe, als langfristiges Projekt eigenständig eine Schulpartnerschaft mit einer Schule in Äthiopien aufzubauen.

Das neue Projekt gewann im Frühjahr 1999 langsam Konturen. Frau Brachmann vermittelte den Kontakt zu einer Schule in Semema, einem kleinen, sehr abgelegenen Ort in der Nähe von Endaselassie im Norden Äthiopiens.

Schueler klein

Die Schulgemeinde von Semema begrüßt die Gäste aus Deutschland

Im Oktober 1999 begleitete Manuela Heuthaler, damals Lehrerin an der Gutenbergschule, Frau Brachmann auf ihrer Projektreise nach Endaselassie und besuchte mit ihr zusammen – nach einem abenteuerlichen, mehrstündigen Maultierritt durch tiefe Schluchten und über die Hochebenen Endaselassies – die Schule in Semema. Sowohl Schüler, Lehrer und Eltern, als auch der Bürgermeister Sememas, die Priester und Vertreter der Schulbehörde aus Endaselassie zeigten sich sehr interessiert und begeistert über die geplante Kooperation.

Im Anschluss an die Reise wurde im Januar 2000 ein Kooperationsvertrag von beiden Schulen unterzeichnet, der die Ziele und Regeln der Schulpartnerschaft festlegt.

Seitdem gab es eine Vielzahl von Kontakten und Begegnungen mit der Schule; teilweise brieflich, teilweise persönlich durch Besuche in Semema im Rahmen der kinder unserer welt-Projektreisen. Als weitere Mitglieder der Äthiopien-AG waren mittlerweile Svenja Brachmann,eine ehemalige Schülerin und Frau Dr. Petra Fabri-Richters, dreifache ‘Gutenberg-Mutter’ und ebenfalls ehrenamtliche Mitarbeiterin von ‘kinder unserer welt’, zu Besuchen in Semema.

Semema – ein Ort im Norden Äthiopiens

Trockenzeit im Norden Äthiopiens

Semema ist ein relativ kleiner, sehr ländlicher Ort, ca. 60 km von der Grenze zu Eritrea entfernt, auf der Hochebene Tigrays, dem „Dach Afrikas” gelegen. Die meisten Schüler kommen aus umliegenden Dörfern, weit verstreuten Hofansammlungen und Hütten nach Semema. Ihr Schulweg beträgt bis zu zweieinhalb Stunden für eine Strecke – zu Fuß natürlich, denn Straßen oder Verkehrsmittel gibt es in dieser Gegend nicht.

Sememas Schule hat ungefähr so viele Schüler wie die Gutenbergschule. Als wir mit unserer Arbeit begannen, standen für diese große Zahl nur sechs Unterrichtsräume zur Verfügung. Der Unterricht wurde deshalb in zwei Schichten durchgeführt. Jede Klasse hatte rund 100 Schüler, die dicht gedrängt in den wenigen Bänken oder auf großen Steinen sitzen mussten. Die Schreibutensilien hielten sie auf dem Schoß, da keine Tische vorhanden waren. Außerhalb der Regenzeit wurde auch im Freien unterrichtet. Es fehlte an sehr vielen Dingen, an Räumlichkeiten, an Fenstern, sanitären Anlagen, besonders aber auch an Arbeitsmaterialien. Trotz dieser widrigen Umstände kamen die Schüler gerne zur Schule; sie wussten und wissen auch heute, dass Bildung ihre einzige Chance zu einem besseren Leben ist.

Was haben wir erreicht?

Die Bücherei mit einer Danksagung an Gutenbergschule

Die Bücherei mit einer Danksagung an Gutenbergschule

In den ersten Jahren haben wir mit den von uns gesammelten Spenden helfen können, die dringendste Not zu lindern. So konnten mit unseren Geldern zunächst Schulbänke angeschafft, alle Klassenräume mit Fenstern ausgestattet und sogar eine kleine Bibliothek errichtet werden, inder die wenigen, aber um so wertvolleren Lehrmittel einen sicheren Aufbewahrungsort fanden. Aus Dankbarkeit für unsere Unterstützung bei diesem Projekt hat die Schulgemeinde der Bibliothek den Namen „Semema-Germany-Gutenberg School Library“ gegeben.

Auch ermutigt durch unsere Hilfe wagte sich die Schulgemeinde in Semema an weitere größere Projekte heran. Ein Neubau mit vier neuen Klassenräumen wurde ins Auge gefasst und – je nach den zur Verfügung stehenden Mittel – im Laufe der Jahre verwirklicht. So konnte das größte Problem, die Raumnot, zumindest gelindert werden. Aber auch im Außenbereich der Schule hat sich inzwischen viel verändert. Neben einer kleinen Hütte, die den nunmehr immerhin etwa 25 Lehrerinnen und Lehrern – fast die Hälfte davon sind erfreulicherweise weiblich – als Lehrerzimmer dient, wurde ein Green Park angelegt, der später einmal, wenn die Bäume groß genug sind, Schülern und Lehrern ein gemütliches, erholsames Sitzen unter schattigen Bäumen, geschützt vor der heißen äthiopischen Sonne, ermöglichen wird.

Schulgarten in der Trockenzeit

Neben einem Brunnen, der ebenfalls mit Geldern der Äthiopien-AG gebaut wurde, ist ein Gemüsegarten entstanden, der mit Zwiebeln, Salat, Mangold und anderen Gemüsearten bepflanzt wird. Gerade in dieser von der Natur nicht gerade begünstigten Region wird es für die kommende Generation überlebenswichtig sein, zu lernen, wie man mit den knappen natürlichen Ressourcen nachhaltig umgehen kann. Es gibt inzwischen sogar ein kleines Hühnerhaus – ein neues Projekt des weiblichen Lehrkörpers.

Von einem weiteren großen Schritt nach vorne konnten Frau Brachmann und Frau Dr. Fabri-Richters nach ihrem Besuch im Jahr 2009 in Semema berichten:

„Die größte Überraschung für uns war jedoch, dass neben der Elementary School ein zweiblockiger Neubau mit acht Räumen für eine Highschool entstanden ist. Diese ist auch schon in Betrieb und beherbergt zur Zeit 240 Schüler aus Semema und Umgebung. Bei unserem Besuch im vorigen Jahr war dies nur ein Traum einer kleinen Gruppe von Lehrern, dessen Verwirklichung uns völlig abwegig erschien, weil nur ein Bruchteil der erforderlichen Gelder vorhanden war. Mit Hilfe gemeinsamer Kraftanstrengungen der PTA (Parents-Teacher-Association) und der TDA (Tigrinian Development Association) wurde allen scheinbar unüberwindlichen Hindernissen zum Trotz das Ziel dennoch erreicht.

Das neue, mit GBS-Spenden errichte Schulgebäude

Der Bericht zeigt, dass die Schulgemeinde in Semema nicht einfach nur die Hand aufgehalten und auf unsere Spenden gewartet hat, sondern ermutigt durch unsere Hilfe mit sehr viel Engagement und Initiative eigene Anstrengungen unternommen hat, um finanzielle Mittel für den weiteren Ausbau der Schulen zu beschaffen. Gerade dadurch können auch unsere Schülerinnen und Schüler hier erkennen, was die in der entwicklungspolitischen Diskussion oft zur Floskel verkommene Rede von der „Hilfe zur Selbsthilfe“ konkret bedeuten kann.

Die neuen Klassenräume

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Die alten Klassenräume

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Studenten der neuen Highschool

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