Der Rathaushof als Konzertsaal
Populärmusiker der Wiesbadener Musik- und Kunstschule begeisterten das Publikum

Vom 18.06.2001  
Die Türen zum Rathaus-Hof waren weit geöffnet, Klänge, die an dieser Stelle niemand erwartet hätte, lockten Passanten hinein: Rock und Pop, Jazz und Swing. Die Abteilung Populärmusik der Wiesbadener Musik- & Kunstschule gab ihr erstes großes Sommerkonzert. Sie hat damit ihr Motto „Musik im Zentrum“, das sie regelmäßig am Donnerstag am Schillerplatz in die Tat umsetzt, um eine Facette erweitert. Fünf Stunden lang musizierten oder sangen das Quartett „Jazz3+1“, die Big Band „Grove Alligators“, die „Jazz vocal“, die „Fuzzbox Voodoo 2001“, „HotStuff“ und „Flyers“ unter der Leitung ihrer Dozenten. „Wellenbrecher“ um 12 Uhr war „G-Flat“ von der Gutenbergschule, deren fünf Sängerinnen und Sänger WMK-Dozent und Big-Band-Leiter Dieter Guntermann als „gute Vokalisten“ lobte.

Was ein „reinrassiger“ Jazz-Chor bei gründlicher Schulung zu leisten im Stande ist, führte „Jazz vocal“ unter ihrem Leiter Frank Lichtenthal vor. Das Publikum im Rathaus-Hof erlebte 30 Minuten lang einen Höhepunkt und geizte nicht mit Beifall. Das Quartett „Jazz 3 +1“ mit Valentin Huber, Jan-Philipp Horn, Joachim Marschall und Kristof Körner ließ ebenfalls über das hohe WMK-Leistungsniveau staunen. Diese vier Jazzer spielten sogar in diesem Jahr bei einer Veranstaltung von „Jazz im Hof“ des Kultusministeriums.

Saxophonist Valentin Huber, ein 22jähriger Niederbayer, ist neu im Quartett und gilt als große Begabung. Er studiert an der Wiesbadener Musikakademie, die im selben Haus wie die Musik- & Kunstschule am Schillerplatz untergebracht ist, und ist froh, Partner für seine Leidenschaft an der WMK gefunden zu haben, denn er ist an der Akademie der einzige Studierende, der sich für Populärmusik entschieden hat. An der Wiesbadener Musik- & Kunstschule sind es immerhin 50 Prozent der Lernenden. Der öffentliche Auftritt am Samstag tat ihm besonders wohl, wie er sagte, weil zur Zeit die Wiesbadener Szene mit Jazz offenbar nicht viel am Hut hat. Er würde sich gern öfter vor Publikum bewähren.

Der Rathaus-Hof wurde von den Aktiven wegen seiner Akustik gelobt, auch wenn mancher von ihnen lieber draußen vor dem Rathaus vor einer größeren Öffentlichkeit aufgetreten wäre. Im Publikum war der Wunsch zu hören, dass das nächste Mal mehr Sitzplätze zur Verfügung gestellt werden sollten. Denn wer die wenigen Plätze erobert hatte, gab sie nicht mehr her. Und bei Wetterprognosen wie für den Samstag wäre die Bereitstellung von großen Party-Schirmen wie im Hof des Kultusministeriums bei den Jazz-Konzerten auch nicht schlecht, war zu hören.

Junge oder ältere aktive Musikbegeisterte, die sich nach dieser Vorstellung der Musik- & Kunstschule animiert fühlen, in einer der Populär-Klassen ihre Leistungen zu verbessern oder als Anfänger ein Instrument zu erlernen, überkommt allerdings erst einmal der Frust: Die Wartelisten sind lang. br

 

Ouvertüre mit Blitz und Donner
„Rathaus open air“ mit Ensembles des Fachbereichs Popularmusik

Vom 18.06.2001  
rh. – Blitze, Donner und ein heftiger Regenguss – eine unerwartete Ouvertüre zu „Rathaus open air“. Mit Bands, Combos und Ensembles des Fachbereichs Popularmusik war die Wiesbadener Musik-Kunstschule in den Innenhof des Rathauses gezogen. Die Folge des Wettersturzes: „Wir hier oben sind zwar mehr als ihr da unten, aber wir fangen trotzdem an.“

Den Worten folgten umgehend Taten – die Gäste aus der Wiesbadener Gutenbergschule eröffneten das Freiluftkonzert vor den vorerst noch wenigen beschirmten Zuhörern. Die waren von den fetzigen Rhythmen der „G-Flats“ trotz der vom Turm der Marktkirche hereintönenden Carillonmusik sehr angetan. Inzwischen hatten sich die Wolken verzogen, Wasserrückstände auf Tischen und Bänken wurden sorgsam beseitigt, allmählich füllte sich der Hof mit Schau- und Hörlustigen.

Mit insgesamt sieben Ensembles dokumentierte die Musik- und Kunstschule die Bandbreite dieses Fachbereichs in erstaunlicher Hochform, kleine Zugaben zur Überbrückung der Umbauphasen inbegriffen, so mit einem swingenden Klarinettenquartett. Von weiteren wetterbedingten Überraschungen blieb man glücklicherweise verschont, unbehelligt konnten sich die Big Band („Groove Alligators“), der Pop-Chor, Jazz-vocal, Fuzzbox Voodoo 2001, Hot Stuff und die Flyers dem beifallsfreudigen Auditorium präsentieren.

Mit den einzelnen Beiträgen aus der Rock-Pop-Musik-Szene lagen die Musikanten augenscheinlich goldrichtig. Unterstützt wurden sie von rhythmischem Klatschen und deutlich taktbetontem, körperlichem Einsatz der animierten Besucher, die sich, teils bepackt mit Einkaufstüten und -taschen, von der Macht der Töne in den Hof locken ließen. Allgemeines Urteil: Ein gelungener bunter Farbtupfer zur musischen Belebung der Innenstadt, das Beispiel sollte Schule machen.