Neue Rahmenpläne

Nachdem die Lehrpläne, damals Rahmenrichtlinien genannt, zum letzten Mal 1980 überarbeitet worden waren, erwies es sich als erforderlich, neue Rahmenpläne zu erstellen, um der veränderten Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler ebenso wie der fachwissenschaftlichen und pädagogischen Entwicklung gerecht zu werden.

Vom Schuljahr 1997/98 an sind die neuen Rahmenpläne im Fachbereich I für Deutsch, Neue Sprachen und Kunst, im Fachbereich II für Sozialkunde, Geschichte, Erdkunde, Arbeitslehre und Ethik und im Fachbereich III Mathematik, Physik, Chemie und Biologie für die Klassen 5 - 10 die Grundlagen des Unterrichts. Sie beschreiben die verbindlichen Ziele, die didaktischen Grundsätze, die Inhalte und fachspezifischen Methoden und weisen auf fächerübergreifende Bezüge hin.

Zur Zeit sind die Kolleginnen und Kollegen in den einzelnen Fachkonferenzen mit einer Bestandsaufnahme und der Vorbereitung auf die neuen Rahmenpläne befaßt.

Fachbereich I: Fremdsprachen, Deutsch, Kunst und Musik

Für das Fach Deutsch ist erstmalig der Arbeitsbereich „Kulturelle Praxis" definiert. Er soll besonders projektorientiertes und kreatives Lernen ermöglichen. Die Rahmenpläne für die neuen Sprachen können den kommunikativen und stärker handlungsorientierten Ansatz des Unterrichts voraussetzen und beschränken sich daher auf die Beschreibung grundlegender Qualifikationen. Für das Fach Kunst hat die selbstbestimmte schöpferische Tätigkeit die entscheidende Bedeutung, da die Kinder und Jugendlichen zunehmend in einer durch Medien „vermittelten fertigen Welt" leben. Die fächerübergreifende Arbeit hat - wie in allen anderen Fächern auch - einen hohen Stellenwert und soll besonders in den Bereichen der ästhetischen Praxis und Theorie verwirklicht werden.

Fachbereich II: Gesellschaftswissenschaften und Religion/Ethik

Die Fächer Sozialkunde, Geschichte und Erdkunde tragen gemeinsam zur politischen Bildung bei. Die wesentlichen didaktischen Grundsätze sind die interkulturelle, die Handlungs-,Wissenschafts-, Problem- und Diskursorientierung. Im Fach Sozialkunde sind die Themeninhalte aktualisiert worden; vor allem wird die Handlungsperspektive gefordert: Erkundungen, Befragungen, Präsentationen. Das Fach Erdkunde stellt die Wechselbeziehung von Mensch und (Natur-)Raum in den Mittelpunkt: neben den Kenntnissen über das Leben in fernen Ländern und Kulturen soll vermittelt werden, daß und wie der Mensch für seinen Ort, seine Region und den Großraum verantwortlich ist; d. h. auch schonend mit der Umwelt und den Ressourcen umgehen soll. Als gesellschaftswissenschaftliches Fach neben Sozialkunde und Erdkunde soll der Geschichtsunterricht grundsätzlich seinen Beitrag zur Erziehung politisch handlungsfähiger Bürger in der demokratischen Gesellschaft leisten, indem er Einsichten in die Vergangenheit vermittelt, den Bezug zur Gegenwart bzw. zur Lebenswelt der Schüler herstellt, zur kritischen Beurteilung von Vergangenheit und Gegenwart befähigt und Handlungsalternativen bzw. Zukunftsperspektiven reflektieren läßt. Kurzum: Es geht um die Förderung des Geschichtsbewußtseins.

Die didaktisch - methodischen Grundsätze sind unter den Stichwörtern Schüler-, Wissenschafts-, Problem-, Handlungs-, Diskurs-, und interkulturelle Orientierung, Vermittlung fachspezifischer Arbeitsweisen und übergreifender methodischer Kompetenz zusammengefaßt und bestimmen auch die Wahl der Inhalte beim „chronologischen Durchgang" durch die Geschichte, wobei die Themen jeweils unter zwei Jahrgangsstufen (7./8. und 9./10. Klasse) zusammengefaßt sind und innerhalb dieser Jahrgangsstufen umgestellt werden können. Die Themenblätter sollen mit ihren motivierenden Sach- oder Problemeinstiegsfragen (z.B.: „Wie war das eigentlich damals?", „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit: verwirklichte Utopie?") die Neugier der Schüler wecken und ihnen aus heutiger Sicht einen leichteren Zugang zur Betrachtung von (vergangenen) Lebenswelten erschließen.

Die Inhalte des Rahmenplanes werden der „global education" entnommen, innerhalb derer Europa aus guten Gründen eine eingehende Betrachtung genießt. Die deutsche Geschichte wird wegen ihrer Bedeutung für die Identitätsbildung, unserer politischen Gegenwart und Zukunft stärker gewichtet. Die im Hinblick auf den zeitlichen Rahmen einschneidendste Veränderung des neuen Rahmenplans besteht darin, daß die Unterrichtseinheiten zum französischen Absolutismus und der Französischen Revolution unter dem Oberthema „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit..." zusammengefaßt und von Klasse 9 in Klasse 8 „vorverlegt" wurden, was eine zeitliche Straffung der vorhergehenden Themen erfordert. Dies ist jedoch nicht möglich, weil mit der Einführung des bilingualen Zweiges die Stundentafel der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer an der Gutenbergschule dahingehend verändert wurde, daß Geschichte in Klasse 7 einstündig (=1 Stunde pro Woche) statt zweistündig, dafür in Klasse 9 zweistündig statt einstündig, im bilingualen Zweig dreistündig unterrichtet wird. Daraus folgt, daß die vom Rahmenplan für die Jahrgangsstufe 7/8 vorgesehenen Themen nicht im gleichen Umfang behandelt werden können. Da auch das bilinguale Curriculum die frankreichspezifischen Themen (Absolutismus, Französische Revolution[en] und ihre Auswirkung auf Deutschland) erst für den Geschichtsunterricht der Klasse 9 vorsieht, hat die Geschichtsfachkonferenz die Durchführung des neuen Rahmenplanes insoweit modifiziert, als die frankreichspezifischen Themen entgegen der neuen Vorgabe erst zu Beginn der neuen Jahrgangsstufe 9 durchgenommen werden. Abgesehen von den frankreichspezifischen Schwerpunkten bleibt die Parallelität der geschichtlichen Inhalte der Jahrgangsstufe 9 also gewährleistet. Allerdings macht diese zeitliche Verschiebung eine inhaltliche Straffung der für die Jahrgangsstufe 9/10 vorgesehenen Themen erforderlich. An dieser Stelle bewährt sich das Prinzip der fächerübergreifenden Koordination: die für diese Jahrgangsstufe geplanten, gegenwärtig aktuellen und gesellschaftspolitischen Themen können in den Sozialkundeunterricht integriert werden.

Fachbereich III: Naturwissenschaft, Mathematik und Informatik

Die Fachkonferenzen der einzelnen Fächer haben in den letzten beiden Jahren anhand der seit einiger Zeit bereits vorliegenden Entwürfe der Rahmenpläne stoffliche Minimalpläne für die Gutenbergschule erstellt. Bei der Entwicklung der Pläne wurden inhaltliche Verzahnungen berücksichtigt die auch das Fach Erdkunde miteinbeziehen, um unseren Schülerinnen und Schülern fachübergreifendes Lernen zu ermöglichen.

In Mathematik haben sich gegenüber den bis jetzt geltenden Rahmenrichtlinien weniger Änderungen ergeben. Einige Inhalte sind in ihrer Reihenfolge innerhalb eines Schuljahres oder zwischen einzelnen Klassenstufen vertauscht worden. Für den Physikunterricht ist bei einer Stundenkürzung von 8 auf 6 Wochenstunden in den Klassen 7-10 laut der gültigen Stundentafel eine Themenanzahl vorgesehen, die in ihrem Umfang die früher zu vermittelnden übersteigt. Eine notwendige Stoffauswahl und eine inhaltliche Schwerpunktsetzung bei der Planerstellung erwiesen sich als sehr schwierig, da die in der Oberstufe zu behandelnden physikalischen Themen, die für die Abiturprüfung verlangt werden, nicht geändert wurden.

Auch im Fach Chemie wurde die Stundenzahl in den Klassen 8-10 insgesamt um eine Wochenstunde gekürzt, nicht aber die Stoffülle. Um so schwieriger ist es, der Intention der neuen Rahmenpläne gerecht zu werden und neben der reinen Fachwissenschaft verstärkt die Aspekte Technologie, Alltag und Umwelt in den Chemieunterricht einfließen zu lassen. Bei der Erstellung des schulinternen Stoffplans wurde insbesondere darauf geachtet, daß den Schülerinnen und Schülern in der Mittelstufe einerseits die notwendigen Voraussetzungen für die erfolgreiche Teilnahme an den Grund- und Leistungskursen vermittelt werden und andererseits die vielfältigen Beziehungen der Chemie zur Erfahrungswelt der Schüler aufgezeigt werden. Bei gleichbleibender Stundenzahl werden sich für die Biologie in den Klassen 5-7 keine wesentlichen Änderungen durch die Einführung der neuen Rahmenpläne ergeben. Da die Fachgruppe Biologie bereits vor Jahren die Epochalisierung des Unterrichts in den Klassen 9 und 10 abgelehnt hat, bleibt es auch in Zukunft so, daß kein Biologieunterricht in Klasse 8 und 9 erteilt wird. Das erhöhte Stoffangebot der Rahmenpläne für die Klassen 8-10 kann in den beiden Wochenstunden der Klasse 10 nur bewältigt werden, indem eine vorgenommene Stoffauswahl konsequent eingehalten wird.

Auch für das Fach Arbeitslehre gibt es ab dem neuen Schuljahr einen gültigen Rahmenplan. Seit Einführung des Faches im Jahr 1993 haben sich die unterrichtlichen Voraussetzungen an der Gutenbergschule aber nicht geändert. Es gibt weiterhin keine für dieses Fach ausgebildeten Lehrkräfte, es fehlen Fachräume und Lehrmittel. Der Unterricht lag in den Schuljahren 1995/96 und 1996/97, ausgehend von den drei grundlegenden Sachbezügen des Fachs Arbeitslehre (Technik, Ökologie, Ökonomie), in den Händen der Lehrkräfte der Physik, der Chemie und der Sozialkunde der Klassen 8, 9 und 10. Die personelle Situation unserer Schule in der Zukunft wird darüber entscheiden, ob weiterhin Arbeitslehre unterrichtet werden kann.

Uwe Behrensen, Irene Fischer, Anita Jakob-Michaelis, Dr. Dorothee Kohlhas, Ingrid Nothdurft, Peter Wagner

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