Bericht über die Fahrt nach Ohrdruff

Am 09.09.1996 trafen sich der Grundkurs Gk von Herrn Rudloff und der Leistungskurs von Herrn Wagner morgens um 7.00 Uhr am Hauptbahnhof Wiesbaden, um zum Wirtschaftsseminar nach Ohrdruf, einem kleinen Städtchen in Thüringen, aufzubrechen!

Herr Boldt bei seinem Referat zum Thema Arbeitslosigkeit

Schon auf der Hinfahrt begann das Programm mit der Besichtigung der Wartburg, die jedoch durch die Führerin eher etwas zum Lachen als zum Lernen war. Nach einigen Stunden Fahrt kamen wir dann in unserer Unterkunft an. Dieses war eine Jugendbildungsstelle, die Mühlburg, die in den Jahren 1933-35 erbaut wurde. Besitzer war der Chemiker und Staatsrat von Thüringen, Dr. Thilo Mühlberg, zugleich Besitzer der Bleifarbenfabrik Ohrdruf. Nach der Befreiung Ohrdrufs durch die US-Armee und dem darauffolgenden Gebietsaustausch nutzte die Sowjetarmee die Mühlburg in den Jahren 1945-47 und von 1955-75 als Armeestab. Zwischenzeitlich war die Mühlburg (1947-55) ein Kindererholungsheim. Nach umfangreichen Rekonstruktionen wurde die Mühlburg 1981 Jugendschulungszentrum. Seit 1990 ist das Haus Jugendbildungsstätte des Landes Thüringen.

In dieser Burg fand also unser Wirtschaftsseminar statt, das von Herrn Boldt geleitet wurde. Der Unterricht fing morgens nach dem Frühstück um 9.00 Uhr an, ging bis zum Mittagessen um 12.30 Uhr, und nach einer Pause ging es um 14.00 Uhr weiter, bis schließlich um 18.00 Uhr alles mit dem Abendessen ein Ende nahm.

Während des Unterrichts befaßten wir uns mit den Grundbegriffen der Wirtschaft, bis hin zu dem Wirtschaftsstandort Deutschland. In Gruppenarbeit wurden unter anderem die Grundzüge der zentralen Verwaltungswirtschaft sowie der sozialen Marktwirtschaft erarbeitet und der Gruppe vorgetragen. Es ging also nicht nur darum, Information aufzunehmen, sondern auch im Team Texte zu bearbeiten, Schaubilder zu erstellen und somit eigenständig Informationen zu erhalten und diese schließlich dem Kurs zu vermitteln.

Zentrales Thema war auch die Entstehung des Preises im Zusammenhang mit der Nachfrage, so daß sich das Thema „Marketing" anschloß, das unser Seminarleiter an Beispielen sehr anschaulich machte. So wurde das Thema Wirtschaft sehr interessant für uns, da ein großer Unterschied zum Unterricht in der Schule bestand. Wir standen weder unter Zeit- noch Notendruck, und durch Gruppenarbeit und Lehrvideos wurde der Unterricht sehr angenehm.

Abends standen genug Möglichkeiten offen, die Freizeit zu nutzen. Anfangs machten es sich viele im Fernsehraum gemütlich, wobei sich im Laufe des Abends immer mehr Schüler in der „Discothek" oder in den Schlafräumen befanden, wo man dann gemütlich zusammensaß und plauderte, auch bis spät in die Nacht hinein. Eine Exkursion in der Mitte der Woche schenkte uns ein wenig Erholung vom Unterricht. Unser Ausflugsziel war das Konzentrationslager Buchenwald, das wir doch sehr geschockt und betroffen verließen. Für viele war dies der erste Besuch der Mahn- und Gedenkstätte. Doch auch für jene, die bereits dort waren, war dies ein trauriges Erlebnis. Durch eine Ausstellung, die Lebensläufe und originale Gegenstände, Kleidung und Waffen vorwies, wurde uns das ganze Leid und Ausmaß des NS-Regimes vor Augen geführt, das durch den historischen Schauplatz noch unterstrichen wurde. Man konnte nicht nur den Operationstisch sehen, auf dem Menschen für Versuche zum Nutzen der Forschung benutzt wurden, wir sahen auch die Öfen, in denen sie gewissenlos verbrannt wurden.

Gedankenversunken fuhren wir weiter nach Weimar, wo wir einen Halt machten und nach einem kleinen Stadtrundgang mit unserer Führerin die Stadt auf eigene Faust erkundeten. Doch noch betroffen von Buchenwald, stand vielen nicht der Sinn nach Besichtigungen, so daß man sich in Gruppen in Cafés setzte und das Ganze erst mal verarbeitete. Dem Aufenthalt in Weimar folgte zu guter Letzt noch ein kurzer Besuch in Erfurt, bevor es schließlich zurück zur Jugendbildungsstätte ging.

Am Ende des Seminars fand eine Abschiedsparty statt, an der auch unser Seminarleiter teilnahm, nachdem er uns mit der Beschaffung von Getränken und Essen behilflich war. Am nächsten Morgen (13.09.) ging es schließlich wieder nach Hause, um einiges schlauer und an Erfahrungen reicher, doch auch müde von den Anstrengungen der Woche.

Wir möchten deshalb die Gelegenheit wahrnehmen, uns an dieser Stelle bei Herrn Rudloff und Herrn Wagner zu bedanken und möchten betonen, daß solch ein Seminar wesentlich wirkungsvoller, effektiver und pädagogisch wertvoller ist als der Unterricht in der Schule.

Carolin Schulte, Jgst 13, Ruth Preywisch, Jgst 13

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