PRAKTIKUM IM MIDLAND ART CENTRE IN BIRMINGHAM

Im Herbst 1995 wandte sich unsere Partnerschule, King Edward's School for Boys in Birmingham, an die Gutenbergschule mit dem Vorschlag, vier Schülern ein Betriebspraktikum im Partnerland zu ermöglichen. Nach längerer Vorbereitung konnte das Projekt im Sommer 1996 gestartet werden. Frau Jakob-Michaelis hatte mich davon überzeugt, daß mir ein Betriebspraktikum in England gut gefallen und ich sehr davon profitieren würde. Mein Partner Matthew James hatte schon 1995 am Austauschprogramm mit der Gutenbergschule teilgenommen und wollte seine Deutschkenntnisse dieses Jahr noch weiter verbessern. Alle vier englischen Schüler hatten sich als Praktikumsplätze Hotels gewünscht, was von Frau Jakob-Michaelis organisiert wurde.

Am 23. Juni 1996 kamen die Praktikanten und ihre Lehrerin, Mrs. Hodgin, zehn Tage vor der übrigen Austauschgruppe am Frankfurter Flughafen an. Endlich lernten wir unsere Austauschpartner, die wir bis dahin nur vom Briefwechsel kannten, persönlich kennen. Die erste Woche galt als Eingewöhnungszeit, in der Matthew mit mir in die Schule ging. Ich zeigte ihm den Weg mit dem Bus zum Hotel, dem Holiday Inn in der Bahnhofstraße. Dort trat er am 1. Juli sein Praktikum an. Es dauerte zwei Wochen; und ich glaube, es hat ihm und den anderen Jungen gut gefallen, wenn die Arbeit auch zeitweilig etwas langweilig war. Nach einer mehr oder minder gelungenen Abschiedsparty flog die ganze Gruppe der Austauschschüler dann am 14. Juli wieder nach Birmingham zurück.

Nach den Sommerferien war es am 5. September dann endlich so weit: Andreas Lendle, Claus Weyrauther, Robert Popp und ich flogen zusammen mit der Austauschgruppe nach Birmingham. Wir wurden von Frau Hitschmann und Herrn Diederich begleitet. Leider war unsere Eingewöhnungszeit etwas kurz, so daß wir nur zwei Tage mit unseren Partnern in die Schule gehen konnten. King Edward's School gehört zu den Eliteschulen Englands und läßt sich kaum mit einer normalen Schule vergleichen. Allein das Schulgelände, das eine Schwimmhalle, drei Hockeyfelder, mehrere Tennisplätze, eine große Turnhalle, 4 - 5 Rugbyfelder, einen großen Sportplatz und eine Kapelle umfaßt, geht weit über das Maß einer normalen Schule hinaus. Allerdings muß man sagen, daß dies eine Privatschule ist und die Eltern viel Geld dafür bezahlen, daß ihre Kinder eine solche Ausbildung genießen können.

Als Wunsch für einen Praktikumsplatz hatte ich das Theater angegeben. So ging ich am 9. September voller Erwartungen zum MIDLAND ART CENTRE, das nicht nur ein Theater, sondern auch eine Open-Air-Arena, Musik- und Tanzstudios, ein Kino, zwei Kunstgalerien, einen Buchladen, eine Bar und ein Café umfaßt - alles in allem ein großes Kunst- und Kulturzentrum, das außerdem auch viele Workshops wie z.B. Töpfern, Malen, Zeichnen, Bildhauern, Goldschmieden, Fotografieren usw. anbietet. Mein Betreuer, Mr. Herbert, ließ mich meine Arbeitszeit selbst gestalten. Ich nannte ihm die Bereiche, die mich interessierten, und er überließ mich dann den jeweiligen Verantwortlichen. So kam es, daß ich ihm vormittags meistens im Büro half und nachmittags mit den Technikern zusammenarbeitete.

An einem Tag nahm mich Mr. Herbert sogar zu einem Casting nach London mit. Dort durfte ich zuschauen, wie die Künstler sich durch Schauspielen, Singen und Musizieren für die diesjährige Winterproduktion von "The Beauty and the Beast" bewarben. Während der zwei Wochen hatte ich sehr viel Spaß und habe auch eine Menge interessanter Dinge vor allem über Licht und Ton in einem Theater gelernt. Ich konnte meine Englischkenntnisse durch den permanenten Gebrauch der Sprache erheblich verbessern. Leider ging die Zeit viel zu schnell zu Ende. Und so mußte ich zusammen mit den drei anderen Praktikanten, die auch gute Erfahrungen mit ihren Praktikumsplätzen und vor allem mit ihren Gastfamilien gemacht haben, am 22. September wieder nach Hause fliegen. Andreas Lendle hatte bei der West Midlands Police, Robert Popp bei der Computerfirma "ITnet" und Claus Weyrauther bei der Maschinenfabrik HOERBIGER UK LTD gearbeitet.

Ich kann nur empfehlen, sich um ein solches Auslandspraktikum zu bemühen, da es eine absolut positive Erfahrung ist, bei der man viele neue Leute kennenlernt und Einblicke in die Arbeitswelt eines fremden Landes bekommt. Es wäre schön, wenn sich auch nächstes Jahr wieder genügend Schüler interessiert zeigen würden, ein Auslandspraktikum zu absolvieren, damit dieses Projekt unserer Schule weitergeführt werden kann.

Christoph Frehsee

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