Als die Kelly Family nach Wiesbaden kam
In Köln wären wir sicher kaum aufgefallen mit unseren mittelalterlichen weinroten Wämsen und den Hüten mit den langen Federn, vor allem nicht zur Fastnachtszeit. Jedoch in Wiesbaden waren wir mitten im Juli schon eine Attraktion. Guck doch emol, wie schee!" oder Nein, die Kellys!". Aber nicht die Leute vom Hausboot waren es, die die Wiesbadener mitten in der Fußgängerzone zu Tränen rührten, sondern die Straßenmusikerinnen und -musiker der Gutenbergschule, fast alle Instrumentalisten unseres Orchesters, gaben ihr Bestes. In lockeren und lustigen Proben hatten wir mit Frau Gloger in der Projektwoche bei Kuchen, Schokolade und Joghurt viele bekannte Stücke wie beispielsweise "Yesterday" einstudiert. Als Trompeter Tim mit anderen Bläsern und allen Jahrmarktsviolinen" in der warmen Mittagssonne die ersten mittelalterlich-höfischen Fanfaren erklingen ließ, blieben sogar die geschäftigsten Ritter für eine erholsame Weile stehen und steuerten ihren Teil zum Mittagsmahl der Künstler bei. Selbst die Burgfräulein des Mainzer Wochenmarktes ließen am Tag darauf, als die Gaukler zusammen mit einer Jongleurtruppe dort aufspielten, ihre Waren für einen Moment aus den Augen.
Auch im Zirkus Gutenberg war die tosende Menge kaum zu bremsen, als die lustige Narrengruppe in die Manege stolperte. Was uns nun aber grundlegend von den Kellys unterschied, war, daß unsere Fans nicht kubikmeterweise in Ohnmacht fielen, weil sie dafür viel zu begeistert waren. Gerade dieses spornte uns natürlich sehr an und machte die Projektwoche für uns zu einer schönen Zeit, in der wir viel Spaß miteinander hatten.
Christof Meißner, Jg-St.12