Verabschiedung Ruth Kayatz

Liebes Ruthchen! Du hast gebeten, die Worte zur Verabschiedung möglichst kurz zu halten. Ich mach’s kurz: Tschüß, Ruth , mach’s gut! -

Ich mache es kurz, aber nicht so kurz. Du bist schon seit einem halben Jahr Ruheständlerin. Du trägst die verführerische Kunde von den Schönheiten des Daseins im Ruhestand ins Kollegium und untergräbst damit auf infame Weise den Betriebsfrieden; denn während Du Begierden weckst, dämpft der Kultusminister die Hoffnungen unserer älteren Kolleginnen und Kollegen. Sein Motto heißt: Mehr arbeiten, länger arbeiten, weniger Geld erhalten. Da bist Du besser dran.

Tschüß, Ruth, mach’s gut. Während wir hier in der Hölle schmoren, läßt Du es Dir in Deinem Paradiesgärtchen gutgehen. Beim letzten Kollegiumsausflug ließest Du uns einen Blick werfen auf diesen locus amoenus Frauenteiniensis. Resultat: Unsere Begierde auf Idylle wächst. Du genießt die Ruhe, wir setzen uns dem Lärmgetöse des Schulalltags aus. Du hast es gut! Tschüß, Ruth, mach’s gut!

Du hast im Sport Siegerklassen trainiert, nach dem Motto „altius, citius, fortius" und Du hast das Verhalten vieler 5.- und 6.-Klässler positiv beeinflußt. Viele jüngere Kolleginnen und Kollegen der Fachgruppe Sport waren froh, wenn sie von Dir Sportklassen übernehmen durften. Du verstandest nämlich Sport auch entsprechend früheren Bildungsplänen als Bildung des Menschen vom Körper aus.

Deine gute Verbindung nach oben- ganz oben (Religion ist Dein zweites Fach)- hat sicher dazu beigetragen, Deine erfolgreiche Tätigkeit als Lehrerin günstig zu gestalten. Jetzt wirst Du sicher Deinen Blumen zurufen: „ Höher, schneller, schöner!" Du hast es gut! Tschüß, Ruth, mach’s gut!

Sicher wirst Du viel reisen, viel sehen, viel erleben. Dabei bist Du nicht mehr auf die Ferien als Reisezeit angewiesen und wirst nicht mehr auf Anhieb als Lehrerin entlarvt, wegen Deiner Faulheit beschimpft, wegen Deines Gehalts und der langen Ferien beneidet werden.

Du hast es gut! Tschüß, Ruth, mach’s gut!

Du hast bei feierlichen Anlässen das Lehrerzimmer mit Blumenschmuck verschönt. Damit hast Du Leben und Farbe in unseren tristen Raum gebracht. Wir hatten’s gut! Tschüß, Ruth, mach’s gut!

Du hast Dich bereiterklärt, Kollegiumsausflüge zu organisieren und hast uns beim letzten Ausflug einen kleinen Vorgeschmack gegeben: bunte Blumen, labende Speisen, durststillender Trank in Deinem Paradiesgarten. Ich mach’s kurz. Wir haben’s gut! Tschüß, Ruth, mach’s gut!

N. Schmidt-Dossow

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